Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

„Evaluierung des Krankenstandes des sächsischen Lehrpersonals“

Rede von MdL Cornelia Falken zum Antrag der Fraktion AfD in Drs 6/733 „Evaluierung des Krankenstandes

des sächsischen Lehrpersonals“

- Auszug aus dem stenografischen Protokoll / Es gilt das gesprochene Wort! -

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

2008 gab es im Freistaat Sachsen einen Gesundheitsbericht für Lehrerinnen und Lehrer in der Region Chemnitz. 2009 gab es einen Gesundheitsbericht für die Förderschullehrer in den Städten Chemnitz und Zwickau. 2010 gab es einen Gesundheitsbericht im Freistaat Sachsen über alle sächsischen Bildungsagenturen - sprich: über alle Bereiche - für die langzeiterkrankten Lehrerinnen und Lehrer. Vielleicht sollten Sie sich den einmal anschauen. Diese Ergebnisse, insbesondere der Gesundheitsbericht über die Langzeitkranken Lehrerinnen und Lehrer, zeigen ganz klar und deutlich, dass die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer - übrigens in allen Schularten - Jahr für Jahr steigt. Ich möchte hierzu nur zwei Zahlen nennen: Im Schuljahr 2011/2012 waren 351 Lehrer langzeitkrank. Im Schuljahr 2014/2015, also aktuell, waren es zu Beginn des Schuljahres 434 Lehrerinnen und Lehrer, und zum jetzigen Zeitpunkt sind es schon wieder mehr. Die Kleine Anfrage meiner Kollegin Susanne Schaper mit den Drucksachennummern 6/213 und 6/214 - vielleicht schauen Sie sie sich noch einmal an -, die sehr umfangreiches Zahlenmaterial zur Entwicklung des Krankenstandes von Lehrerinnen und Lehrern darstellt, liegt vor. Krankenkassen, wie zum Beispiel die DAK oder die Barmer, haben berufsbezogene Untersuchungen durchgeführt. Das Ergebnis für die Lehrerinnen und Lehrer ist eindeutig: steigende Zahlen bei psychischen Erkrankungen. Das heißt, nach meiner Auffassung haben wir genügend aussagekräftige Zahlen und Daten. Diese müssen wir nicht extra erheben. Auch die Zahlen, die Herr Bienst gerade genannt hat, habe ich vorliegen; ich lasse sie jetzt einmal weg. Was wir in diesem Parlament brauchen, sind Maßnahmen, die eingeleitet werden müssen, um den Krankenstand zu senken oder ihn zumindest im jetzigen Bereich zu halten; denn die Gefahr ist sehr groß - ich komme gleich darauf zu sprechen -, dass die Zahlen in den nächsten Jahren immer weiter steigen werden. Wir brauchen Maßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer, und wir brauchen eine Verringerung der Arbeitsbelastung. Die Lehrerinnen und Lehrer im Freistaat Sachsen - Sie können an jede Schule gehen, an die Sie wollen, an staatliche Schulen oder auch an Schulen in freier Trägerschaft - werden auf Verschleiß gefahren. Sie bekommen immer noch eine Aufgabe obendrauf, und ich sage ausdrücklich: Ich will die Integration, und ich will die Inklusion. Ich will eine hervorragende Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, aber nicht unter den Bedingungen, die die Lehrerinnen und Lehrer zurzeit haben: immer noch eine große Aufgabe obendrauf, ohne dass die Lehrer eine Entlastung erhalten. Das muss zu einem höheren Krankenstand führen; denn Lehrer arbeiten nicht mit Schachteln und Kartons, sondern sie arbeiten mit Kindern und Jugendlichen. Sie sind für diese verantwortlich und sie fühlen sich auch für diese verantwortlich. Ich hatte es gerade gesagt: Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt. Was wäre jetzt die logische Maßnahme in diesem Parlament? Ja, ich spreche über den nächsten Haushalt, den wir zu beraten haben. Wir brauchen mehr Schulpsychologen. Nun höre ich, es sollen fünf mehr kommen. Ich habe sie im neuen Haushalt noch nicht gefunden; vielleicht kann mir einmal jemand einen Tipp geben. Fünf zusätzliche Schulpsychologen! Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sind die Schulpsychologen nur als "Feuerwehr" für Schülerinnen und Schüler unterwegs. Sie sollen jedoch vorbeugend wirken, und zwar für Schülerinnen und Schüler und für Lehrerinnen und Lehrer. So ist ihr Aufgabenbereich formuliert. Eine weitere Maßnahme - die Mittel, die für Arbeits- und Gesundheitsschutz zur Verfügung gestellt werden; ich kann jetzt erst einmal nur die Zahlen vom letzten Haushalt nennen, weil ich den neuen noch nicht an dieser Stelle angeschaut habe -: Durch die Vorgaben wäre es notwendig gewesen, dass wir im Parlament 2,2 Millionen Euro einstellen müssten; es waren aber nur 1,9 Millionen eingestellt. Diese sind für Fachkräfte, für den Arbeitsschutz und für die Betriebsärzte gedacht. Wenn ich als Parlament, als Gesetzgeber nicht genügend Geld einstelle, dann brauche ich mich auch nicht zu wundern, wenn die Bedingungen an den sächsischen Schulen, bezogen auf die Gesundheit, sehr problematisch sind. Unser Schwerpunkt im Parlament muss sein, eine Entlastung der Lehrer vorzunehmen, und nicht, statistische Materialien anzufertigen. Schularten - wenn Sie sich die Zahlen anschauen; wir haben das getan -, die in den letzten Jahren weniger Einstellungen gehabt haben, haben einen steigenden Krankenstand. Das betrifft insbesondere zurzeit die Mittelschulen; da bin ich ganz nah bei Herrn Bienst, der sagte, es habe natürlich auch etwas mit der Altersstruktur zu tun. Aber, Herr Bienst, es genügt nicht, wenn wir die Alten durch die Jungen ersetzen. Wir müssen mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen, um die Belastungen an den Schulen besser verteilen zu können und bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das halte ich für einen sehr, sehr wichtigen Faktor. Werte Kollegen der AfD - ich nehme das "werte" auch gleich wieder zurück-, (Dr. Stefan Dreher, AfD: Das hätte mich auch gewundert!) das ist wirklich unverschämt, was Sie da gemacht haben. Sie fordern das Parlament auf, einen Antrag zu beschließen, dass die Staatsregierung, die gleichzeitig Arbeitgeber der Lehrerinnen und Lehrer ist, Arbeitnehmerrechte verletzt, auch wenn es auf freiwilliger Basis erfolgt. (Andre Wendt, AfD: Natürlich! Wenn ich freiwillig arbeite, verletze ich auch nichts!) - Natürlich fordern Sie das. - Das ist eine Unverschämtheit. So etwas geht überhaupt nicht, und ich als Gewerkschafterin bin total ausgerastet, als ich das gelesen habe. Das geht nicht, und ich hoffe und glaube auch, dass die Staatsregierung, insbesondere das Kultusministerium, einem solchen Hinweis nicht nachgeht. Meine Fraktion und ich werden diesem Antrag nicht zustimmen. Danke. (Beifall bei den LINKEN)