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Falken: Große sozialräumliche Benachteiligung in Sachsen beim Bildungserwerb - Entwicklungsland bei schulischer Inklusion

Zum heute veröffentlichten Bildungsbericht Sachsen erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Cornelia Falken:

 

Spektakulär Neues enthält der vom Kultusminister präsentierte Bildungsbericht nicht. Die Befunde unterscheiden sich kaum von vorangegangenen Untersuchungen. Was an der empirischen Bildungsforschung auffällt, das ist die Diskrepanz zu den Erfahrungen, die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern im Schulalltag machen müssen. Gerade zum Beginn eines Schuljahres. Es fehlt schlichtweg das erforderliche Lehrpersonal. Umfragen zufolge sind die Sachsen beim Thema Bildung zurzeit am unzufriedensten. 86 Prozent der Befragten fordern, dass man sich stärker um eine gute Schul- und Bildungspolitik kümmern müsse. Erst danach folgt die Kriminalitätsbekämpfung. Nicht einmal jede/r zweite Befragte ist der Meinung, dass Sachsens Schulgebäude „modern und gut ausgestattet sind". Die gleiche geringe Zustimmungsquote gab es bei der Frage, ob in Sachsen alle Schüler*innen gleich gut gefördert werden. 

Was die gleiche Förderung aller Schülerinnen und Schüler betrifft, so gibt es eine große sozialräumliche Benachteiligung beim Bildungserwerb. Zwar garantiert § 1 des Schulgesetzes für den Freistaat Sachsen das „Recht eines jeden jungen Menschen auf eine seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage“. Doch Studien belegen, dass die soziale Herkunft, der Wohnort bzw. die Region und die wirtschaftliche Lage für den Bildungserwerb junger Menschen eine bedeutende Rolle spielen. So kommt der Chancenspiegel der Bertelsmann-Stiftung schon 2014 zum Ergebnis, dass der Anteil der Abgänger*innen ohne Hauptschulabschluss im bundesweiten Vergleich nicht nur einer der größten ist, sondern innerhalb Sachsens große regionale Schwankungen aufweist. Laut der Studie lag er je nach Region zwischen 5,5 % und 13,4 %. Zu den Regionen, die einen geringen Anteil bei der Vergabe von Hochschulzugangsberechtigungen aufweisen, aber einen hohen Anteil an Absolventen ohne Hauptschulabschluss, gehören Nord- und Mittelsachsen sowie Görlitz und Leipzig.  Hier ist Sachsen offensichtlich keinen Schritt weiter gekommen.

Sachsen ist Entwicklungsland bei schulischer Inklusion. Das neue Schulgesetz erweist sich in Sachen Inklusion als völlig ungenügend. Die Inklusion in die allgemeinbildenden Schulen ist nicht der Normalfall, sondern die Ausnahme. Die „Schule der Vielfalt“ praktiziert einen zieldifferenten Unterricht in heterogenen Lerngruppen. Das macht die Kooperation in multiprofessionellen Teams erforderlich. „Fördern ohne Sonderschule“ lautet der entscheidende sonderpädagogische Entwicklungsschritt, den Gesellschaft und Politik tun müssen. Dafür fehlen bislang die nötigen finanziellen und personellen Voraussetzungen, sie müssen erst geschaffen werden.