Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Sexualbildung in den Schulen im Freistaat Sachsen modernisieren

 

Rede von MdL Cornelia Falken zum Antrag der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag „Sexualbildung in den Schulen im Freistaat Sachsen modernisieren“ in Drucksache 6/1539

 

 

Auszug aus der Protokollmitschrift

 

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

 

Ich möchte den Gedanken und die Idee der inhaltlichen Debatte, der inhaltlichen Auseinandersetzung in dem zweiten Redebeitrag meiner Fraktion gern noch einmal aufgreifen. Ich glaube, das ist genau der Knackpunkt.

 

Die inhaltliche Debatte haben wir in der letzten Legislaturperiode sehr ausführlich geführt. Wir haben über Anträge eine Anhörung durchgeführt, die sehr, sehr inhaltsreich war. Da bin ich ganz nah bei Herrn Schreiber. Aber was ist denn danach passiert? Es ist nach dieser Debatte nach meinem Verständnis gar nichts passiert. Es ist weder innerhalb der Staatsregierung, noch im Rahmen des Kultusministeriums und schon gleich gar nicht in der Gesellschaft eine Debatte diesbezüglich angestoßen worden, um Maßnahmen zu finden, die hätten eingeleitet werden

können.

 

Natürlich brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte. Nur in der Schule kann man diese Aufgabe nicht lösen. Aber die Schule hat den Vorteil, dass wir alle Schülerinnen und Schüler erreichen. Das tun wir im Moment nicht.

 

Die Debatte hat nicht stattgefunden, und die Reaktionen sind ausgeblieben.

 

Frau Staatsministerin, wenn nicht wir den Antrag auf die heutige Tagesordnung gebracht hätten und die Frau Jähnigen nicht eine Kleine Anfrage gestellt hätte, dann würden wir doch heute noch nicht wissen, wann wir diesen neuen Orientierungsrahmen - möglicherweise am Ende dieses Kalenderjahres - sehen. Das heißt, nur über diese parlamentarischen Möglichkeiten, die wir haben, können wir dieses Thema immer wieder in die inhaltliche Debatte bringen.

 

Wir hatten es das letzte Mal im Ausschuss gemacht - sehr bewusst im Ausschuss gemacht. Herr Schreiber, Sie wissen, dass wir darüber lange gesprochen haben, dass wir es lieber im Ausschuss als im Plenum machen. Aber die Zeit ist vorbei. Jetzt ist für mich der nächste Schritt im Parlament möglich. Das heißt: Wir haben dazu einen entsprechenden Antrag eingebracht.

 

Diese scheinheilige Diskussion möchte ich gern noch einmal ansprechen, und zwar diese scheinheilige Diskussion: Die Eltern entscheiden, was die Schüler in der Schule lernen. - Das steht im Übrigen in der Sächsischen Verfassung. Aber an welcher Stelle lassen Sie das denn wirklich zu? Sie lassen es immer nur an der Stelle zu, wenn Sie als CDU der Auffassung sind: Wir müssen die Kinder schützen, die dürfen das gar nicht wissen. Da schieben wir mal die Eltern vor, und dann klappt das schon.

Bei allen anderen Entscheidungen und bei allen anderen Fragen, die die Schulen im Freistaat Sachsen betreffen, haben Sie die Eltern nicht einbezogen.

 

Wie weit sind denn die Eltern einbezogen worden, als der Astronomieunterricht gestrichen worden ist, als Geschichte und Geografie in der 10. Klasse in der Mittelschule als Wahlfach eingeführt worden ist? Ich könnte die Palette noch weiter verlängern.

 

Ich nenne die Oberstufenreform.

Schauen Sie sich doch an, was dabei herausgekommen ist. Dazu haben sie die Eltern überhaupt nicht befragt. Sie haben vielleicht von Gremien mal eine Stellungnahme eingeholt, aber das auch schon sehr, sehr vorsichtig. Schauen wir uns doch einmal an, was an der Schule wirklich passiert. Haben Sie sich die Lehrpläne einmal angeschaut?

 

Sie haben das Thema "Der Unterschied von Mann und Frau" in der Grundschule in der 3. Klasse in Ethik und in Sachkunde. Wobei, wenn wir an die Anhörung denken, es dort auch Erläuterungen gab, dass die gar nicht so weit weg sind von dieser Formulierung .Männer und Frauen".

 

Dieses Thema wird dann noch einmal in der 5. Klasse behandelt, wenn es um die Fortpflanzung geht. Dabei geht es um die Wirbeltiere, und ganz zum Schluss ist der Mensch in der Fortpflanzung dran. Dann gibt es das Thema noch einmal in der 8. Klasse in Biologie zur sexualen Entwicklung - das ist richtig -, aber auch mit wenigen Stunden und in einem Einstundenfach in der Biologie.

 

Wir müssen uns ernsthaft darüber Gedanken machen, dass die Lehrpläne zu diesem Thema modern ausgestaltet und neu angepasst werden; von mir aus gern mit Beteiligung der Eltern. Damit habe ich doch überhaupt kein Problem. Aber wir müssen es angehen.

 

Wir als Parlament haben die Aufgabe, die Staatsregierung und das Kultusministerium zu beauftragen, diese Aufgaben umzusetzen. Das tun wir mit unserem Antrag.

Deshalb bitte ich Sie, stimmen Sie unserem Antrag zu.

(Beifall bei den LINKEN und den GRÜNEN)


Rede von MdL Cornelia Falken zum Antrag der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag „Sexualbildung in den Schulen im Freistaat Sachsen modernisieren“ in Drucksache 6/1539


Auszug aus der Protokollmitschrift

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

Ich möchte den Gedanken und die Idee der inhaltlichen Debatte, der inhaltlichen Auseinandersetzung in dem zweiten Redebeitrag meiner Fraktion gern noch einmal aufgreifen. Ich glaube, das ist genau der Knackpunkt.

Die inhaltliche Debatte haben wir in der letzten Legislaturperiode sehr ausführlich geführt. Wir haben über Anträge eine Anhörung durchgeführt, die sehr, sehr inhaltsreich war. Da bin ich ganz nah bei Herrn Schreiber. Aber was ist denn danach passiert? Es ist nach dieser Debatte nach meinem Verständnis gar nichts passiert. Es ist weder innerhalb der Staatsregierung, noch im Rahmen des Kultusministeriums und schon gleich gar nicht in der Gesellschaft eine Debatte diesbezüglich angestoßen worden, um Maßnahmen zu finden, die hätten eingeleitet werden
können.

Natürlich brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte. Nur in der Schule kann man diese Aufgabe nicht lösen. Aber die Schule hat den Vorteil, dass wir alle Schülerinnen und Schüler erreichen. Das tun wir im Moment nicht.

Die Debatte hat nicht stattgefunden, und die Reaktionen sind ausgeblieben.

Frau Staatsministerin, wenn nicht wir den Antrag auf die heutige Tagesordnung gebracht hätten und die Frau Jähnigen nicht eine Kleine Anfrage gestellt hätte, dann würden wir doch heute noch nicht wissen, wann wir diesen neuen Orientierungsrahmen - möglicherweise am Ende dieses Kalenderjahres - sehen. Das heißt, nur über diese parlamentarischen Möglichkeiten, die wir haben, können wir dieses Thema immer wieder in die inhaltliche Debatte bringen.

Wir hatten es das letzte Mal im Ausschuss gemacht - sehr bewusst im Ausschuss gemacht. Herr Schreiber, Sie wissen, dass wir darüber lange gesprochen haben, dass wir es lieber im Ausschuss als im Plenum machen. Aber die Zeit ist vorbei. Jetzt ist für mich der nächste Schritt im Parlament möglich. Das heißt: Wir haben dazu einen entsprechenden Antrag eingebracht.

Diese scheinheilige Diskussion möchte ich gern noch einmal ansprechen, und zwar diese scheinheilige Diskussion: Die Eltern entscheiden, was die Schüler in der Schule lernen. - Das steht im Übrigen in der Sächsischen Verfassung. Aber an welcher Stelle lassen Sie das denn wirklich zu? Sie lassen es immer nur an der Stelle zu, wenn Sie als CDU der Auffassung sind: Wir müssen die Kinder schützen, die dürfen das gar nicht wissen. Da schieben wir mal die Eltern vor, und dann klappt das schon.
Bei allen anderen Entscheidungen und bei allen anderen Fragen, die die Schulen im Freistaat Sachsen betreffen, haben Sie die Eltern nicht einbezogen.

Wie weit sind denn die Eltern einbezogen worden, als der Astronomieunterricht gestrichen worden ist, als Geschichte und Geografie in der 10. Klasse in der Mittelschule als Wahlfach eingeführt worden ist? Ich könnte die Palette noch weiter verlängern.

Ich nenne die Oberstufenreform.
Schauen Sie sich doch an, was dabei herausgekommen ist. Dazu haben sie die Eltern überhaupt nicht befragt. Sie haben vielleicht von Gremien mal eine Stellungnahme eingeholt, aber das auch schon sehr, sehr vorsichtig. Schauen wir uns doch einmal an, was an der Schule wirklich passiert. Haben Sie sich die Lehrpläne einmal angeschaut?

Sie haben das Thema "Der Unterschied von Mann und Frau" in der Grundschule in der 3. Klasse in Ethik und in Sachkunde. Wobei, wenn wir an die Anhörung denken, es dort auch Erläuterungen gab, dass die gar nicht so weit weg sind von dieser Formulierung .Männer und Frauen".

Dieses Thema wird dann noch einmal in der 5. Klasse behandelt, wenn es um die Fortpflanzung geht. Dabei geht es um die Wirbeltiere, und ganz zum Schluss ist der Mensch in der Fortpflanzung dran. Dann gibt es das Thema noch einmal in der 8. Klasse in Biologie zur sexualen Entwicklung - das ist richtig -, aber auch mit wenigen Stunden und in einem Einstundenfach in der Biologie.

Wir müssen uns ernsthaft darüber Gedanken machen, dass die Lehrpläne zu diesem Thema modern ausgestaltet und neu angepasst werden; von mir aus gern mit Beteiligung der Eltern. Damit habe ich doch überhaupt kein Problem. Aber wir müssen es angehen.

Wir als Parlament haben die Aufgabe, die Staatsregierung und das Kultusministerium zu beauftragen, diese Aufgaben umzusetzen. Das tun wir mit unserem Antrag.
Deshalb bitte ich Sie, stimmen Sie unserem Antrag zu.
(Beifall bei den LINKEN und den GRÜNEN)