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Situation und Perspektive der Lehramtsausbildung an sächsischen Hochschulen

 

020. Sitzung des 6. Sächsischen Landtages, 17.06.2015

 

Rede von MdL Cornelia Falken zum Prioritätenantrag der Fraktion DIE LINKE „Situation und Perspektive der Lehramtsausbildung an sächsischen Hochschulen“ (Drucksache 6/2073)

 

– Auszug Protokollmitschrift / Es gilt das gesprochene Wort! –

 

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

 

Wenn man in Sachsen das Lehramt Grundschule studieren möchte, dann brauchte man im vergangenen Jahr 2014 einen Durchschnitt von 1,3, in diesem Jahr einen Durchschnitt von 1,7. Wenn man das Lehramt an Mit-telschulen studieren möchte, braucht man einen Durchschnitt von 1,6. Dass Sie mich nicht falsch verstehen: Natürlich möchte auch ich, so wie es meine Kollegin Fiedler von der CDU schon gesagt hat, die besten und hellsten Köpfe an den sächsischen Schulen haben, aber Wissen al-lein macht keinen guten Lehrer aus.

 

Ich glaube, dass wir im Freistaat Sachsen ernsthaft schauen müssen, dass wir gute Lehrerinnen und Lehrer an die sächsischen Schulen bekom-men. Wenn die Universitäten einen Numerus clausus einrichten, dann muss ich davon ausgehen, dass es mehr Bewerber gibt als das, was wir zurzeit an den Universitäten aufnehmen können. Das wissen wir alle und ich will es hier noch einmal ganz klar benennen. Ich kenne auch einige junge Leute, die jetzt mit einem Durchschnitt von zwei Komma und in andere Bundesländer gegangen sind und dort auf Lehramt Grundschule studieren. Das heißt, hier müssen wir schauen, wie viele Studienplätze wir zur Verfügung stellen können, um den notwendigen Bedarf abzude-cken.

 

Ich möchte kurz auf die Problematik von Frau Fiedler eingehen, die sagte, dass wir das größte Einstellungspotenzial im Freistaat Sachsen haben. Dem stimme ich zu. Aber diesen Satz werden Sie in den nächsten drei, vier, fünf, sechs Jahren immer wieder benennen. Ich will einmal die Zahlen benennen, die wir bisher aus dem Kultusministerium haben. Ausscheidende Lehrkräfte im Jahre 2015/2016 - die Zahlen sind bestimmt nicht mehr aktuell, Frau Ministerin, Sie haben bestimmt schon wieder andere -: 1.200 Lehrer, die ausscheiden. Wenn wir bisher 1.700 im Sys-tem der Ausbildung haben, wissen wir heute schon, dass das nicht aus-reichen wird. 2016/2017 1.100 Lehrer, die ausscheiden, 2017/2018 1.500, die ausscheiden, 2018/20 19 2.000, die ausscheiden. Das ist na-türlich eine Größenordnung. Wenn wir jetzt sagen, der jetzige Iststand ist schon gut, wir wollen auf 2 000 Ausbildungsplätze gehen, dann wis-sen wir, dass 2019/2020 die jetzt Auszubildenden möglicherweise in die Schule kommen, und wir wissen heute schon, dass sie bei dieser Abbre-cherquote - Sie haben es ganz kurz angetippt - nicht ausreichen wer-den, um den Bedarf wirklich zu decken. Allerdings - darin stimme ich Ihnen allen zu, Sie haben es alle in unterschiedlichen Facetten be-nannt - braucht man erst einmal eine ordentliche Prognose. Man muss genau wissen, wie viele Lehrkräfte wirklich ausscheiden, in welchen Ausbildungsbereichen sie ausscheiden usw. Allerdings sage ich Ihnen aus der Erfahrung von heute, dass wir inzwischen fast in allen Fächern Mangel haben. Wenn ich jetzt den Unterrichtsausfall mit einberechne, dann ist es völlig egal, in welches Fach Sie gehen, Sie haben da über-all eher Probleme. Das heißt, wir brauchen für die Lehrerausbildung mehr Ausbildungsplätze als die 2.000, die avisiert sind.

 

Ich möchte ganz gern noch ein Schrittehen weitergehen, weil die Leh-rerausbildung ja nicht an der Universität stehen bleibt. sondern wir haben ja noch den Vorbereitungsdienst, der naturlich zu berücksichti-gen ist. Es gibt zurzeit Diskussionen und Vorbereitungen im Kultusmi-nisterium, dass man von dem einen Jahr Vorbereitungsdienst nach Bache-lor und Master wieder auf anderthalb Jahre aufstockt - ganz einfach deshalb, weil festgestellt worden ist, dass die jungen Leute mit dem nicht genügenden Anteil des praktischen Teils an den Universitäten nicht ausreichen, um gleich voll in den Beruf einzusteigen.

 

Ich muss natürlich sagen - ich habe es gestern schon mit der anderen Zahl gemacht, ich mache es heute wieder-: Wir haben nach Aussagen des Kultusministeriums 1.700 Einstellungen bezüglich des Vorbereitungs-dienstes. Wir haben aber im Haushalt - Frau Friedel hat es noch einmal benannt - 2.050 Stellen festgeschrieben. Jetzt frage ich mich: Warum - vielleicht gibt es ja nicht genügend Bewerber, die Zahlen habe ich im Moment noch nicht; das Kultusministerium wird sie dann sicher noch liefern - stellen wir nicht jetzt im Vorbereitungsdienst die 350 Leh-rer mehr ein, die wir einstellen können, weil die Haushaltsmittel ja dafür zur Verfügung gestellt worden sind? Das ist so eine Frage - Frau Ministerin, vielleicht können Sie sich nachher noch einmal dazu äu-ßern, weil uns das sicher alle interessiert.

 

Sie haben von Attraktivität des Berufes gesprochen. Ich muss es hier mal sagen: Sie hauen sich mit dem neuen Tarifvertrag, den Herr Unland mit unterschrieben hat, in Bezug auf die Attraktivität des Berufes die Füße selber weg. ln dem neuen Tarifvertrag können Sie Lehrerinnen und Lehrer in derselben Eingruppierung einstellen - ob sie den Vorberei-tungsdienst haben oder nicht. Das heißt, wenn ich von der Universität komme - mit Vorbereitungsdienst -, werde ich als Gymnasiallehrer in die E 13 eingruppiert, und wenn ich ohne Vorbereitungsdienst komme, werde ich auch in die E 13 eingruppiert. Als Mittelschullehrer- da muss ich Sie korrigieren, Frau Kollegin von der AfD- gehen Sie in die E 11, auch mit dem Vorbereitungsdienst. Das halte ich für nicht ver-tretbar und ich glaube, dass wir zukünftig noch mehr Schwierigkeiten bekommen werden, junge Leute für den Beruf des Mittelschullehrers in die Ausbildung zu bekommen.

 

Wir fordern Sie auf- und das war das Ziel unseres heutigen Antrages, hier noch einmal einen Punkt zu setzen, insbesondere in der Vorberei-tung des Personalentwicklungskonzeptes; Schule hat viel mehr Aufgaben - Frau Kurth hat es an diesem Pult schon sehr häufig dargestellt, und darin unterstütze ich sie auch-; aber für mehr Aufgaben brauche ich natürlich auch mehr gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Ich danke Ihnen.

 

(Beifall bei den LINKEN und der Abg. Sabine Friedel, SPD}

 

 

020. Sitzung des 6. Sächsischen Landtages, 17.06.2015

 

Rede von MdL Cornelia Falken zum Prioritätenantrag der Fraktion DIE LINKE „Situation und Perspektive der Lehramtsausbildung an sächsischen Hochschulen“ (Drucksache 6/2073)

 

– Auszug Protokollmitschrift / Es gilt das gesprochene Wort! –

 

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

 

Wenn man in Sachsen das Lehramt Grundschule studieren möchte, dann brauchte man im vergangenen Jahr 2014 einen Durchschnitt von 1,3, in diesem Jahr einen Durchschnitt von 1,7. Wenn man das Lehramt an Mittelschulen studieren möchte, braucht man einen Durchschnitt von 1,6. Dass Sie mich nicht falsch verstehen: Natürlich möchte auch ich, so wie es meine Kollegin Fiedler von der CDU schon gesagt hat, die besten und hellsten Köpfe an den sächsischen Schulen haben, aber Wissen allein macht keinen guten Lehrer aus.

 

Ich glaube, dass wir im Freistaat Sachsen ernsthaft schauen müssen, dass wir gute Lehrerinnen und Lehrer an die sächsischen Schulen bekommen. Wenn die Universitäten einen Numerus clausus einrichten, dann muss ich davon ausgehen, dass es mehr Bewerber gibt als das, was wir zurzeit an den Universitäten aufnehmen können. Das wissen wir alle und ich will es hier noch einmal ganz klar benennen. Ich kenne auch einige junge Leute, die jetzt mit einem Durchschnitt von zwei Komma und in andere Bundesländer gegangen sind und dort auf Lehramt Grundschule studieren. Das heißt, hier müssen wir schauen, wie viele Studienplätze wir zur Verfügung stellen können, um den notwendigen Bedarf abzudecken.

 

Ich möchte kurz auf die Problematik von Frau Fiedler eingehen, die sagte, dass wir das größte Einstellungspotenzial im Freistaat Sachsen haben. Dem stimme ich zu. Aber diesen Satz werden Sie in den nächsten drei, vier, fünf, sechs Jahren immer wieder benennen. Ich will einmal die Zahlen benennen, die wir bisher aus dem Kultusministerium haben. Ausscheidende Lehrkräfte im Jahre 2015/2016 - die Zahlen sind bestimmt nicht mehr aktuell, Frau Ministerin, Sie haben bestimmt schon wieder andere -: 1.200 Lehrer, die ausscheiden. Wenn wir bisher 1.700 im System der Ausbildung haben, wissen wir heute schon, dass das nicht ausreichen wird. 2016/2017 1.100 Lehrer, die ausscheiden, 2017/2018 1.500, die ausscheiden, 2018/20 19 2.000, die ausscheiden. Das ist natürlich eine Größenordnung. Wenn wir jetzt sagen, der jetzige Iststand ist schon gut, wir wollen auf 2 000 Ausbildungsplätze gehen, dann wissen wir, dass 2019/2020 die jetzt Auszubildenden möglicherweise in die Schule kommen, und wir wissen heute schon, dass sie bei dieser Abbrecherquote - Sie haben es ganz kurz angetippt  - nicht ausreichen werden, um den Bedarf wirklich zu decken. Allerdings - darin stimme ich Ihnen allen zu, Sie haben es alle in unterschiedlichen Facetten benannt - braucht man erst einmal eine ordentliche Prognose. Man muss genau wissen, wie viele Lehrkräfte wirklich ausscheiden, in welchen Ausbildungsbereichen sie ausscheiden usw. Allerdings sage ich Ihnen aus der Erfahrung von heute, dass wir inzwischen fast in allen Fächern Mangel haben. Wenn ich jetzt den Unterrichtsausfall mit einberechne, dann ist es völlig egal, in welches Fach Sie gehen, Sie haben da überall eher Probleme. Das heißt, wir brauchen für die Lehrerausbildung mehr Ausbildungsplätze als die 2.000, die avisiert sind.

 

Ich möchte ganz gern noch ein Schrittehen weitergehen, weil die Lehrerausbildung ja nicht an der Universität stehen bleibt. sondern wir haben ja noch den Vorbereitungsdienst, der naturlich zu berücksichtigen ist. Es gibt zurzeit Diskussionen und Vorbereitungen im Kultusministerium, dass man von dem einen Jahr Vorbereitungsdienst nach Bachelor und Master wieder auf anderthalb Jahre aufstockt - ganz einfach deshalb, weil festgestellt worden ist, dass die jungen Leute mit dem nicht genügenden Anteil des praktischen Teils an den Universitäten nicht ausreichen, um gleich voll in den Beruf einzusteigen.

 

Ich muss natürlich sagen - ich habe es gestern schon mit der anderen Zahl gemacht, ich mache es heute wieder-: Wir haben nach Aussagen des Kultusministeriums 1.700 Einstellungen bezüglich des Vorbereitungsdienstes. Wir haben aber im Haushalt - Frau Friedel hat es noch einmal benannt - 2.050 Stellen festgeschrieben. Jetzt frage ich mich: Warum - vielleicht gibt es ja nicht genügend Bewerber, die Zahlen habe ich im Moment noch nicht; das Kultusministerium wird sie dann sicher noch liefern - stellen wir nicht jetzt im Vorbereitungsdienst die 350 Lehrer mehr ein, die wir einstellen können, weil die Haushaltsmittel ja dafür zur Verfügung gestellt worden sind? Das ist so eine Frage - Frau Ministerin, vielleicht können Sie sich nachher noch einmal dazu äußern, weil uns das sicher alle interessiert.

 

Sie haben von Attraktivität des Berufes gesprochen. Ich muss es hier mal sagen: Sie hauen sich mit dem neuen Tarifvertrag, den Herr Unland mit unterschrieben hat, in Bezug auf die Attraktivität des Berufes die Füße selber weg. ln dem neuen Tarifvertrag können Sie Lehrerinnen  und Lehrer in derselben Eingruppierung einstellen - ob sie den Vorbereitungsdienst haben oder nicht. Das heißt, wenn ich von der Universität komme - mit Vorbereitungsdienst -, werde ich als Gymnasiallehrer in die E 13 eingruppiert, und wenn ich ohne Vorbereitungsdienst komme, werde ich auch in die E 13 eingruppiert. Als Mittelschullehrer- da muss ich Sie korrigieren, Frau Kollegin von der AfD- gehen Sie in die E 11, auch mit dem Vorbereitungsdienst. Das halte ich für nicht vertretbar und ich glaube, dass wir zukünftig noch mehr Schwierigkeiten bekommen werden, junge Leute für den Beruf des Mittelschullehrers in die Ausbildung zu bekommen.

 

Wir fordern Sie auf- und das war das Ziel unseres heutigen Antrages, hier noch einmal einen Punkt zu setzen, insbesondere in der Vorbereitung des Personalentwicklungskonzeptes; Schule hat viel mehr Aufgaben - Frau Kurth hat es an diesem Pult schon sehr häufig dargestellt, und darin unterstütze ich sie auch-; aber für mehr Aufgaben brauche ich natürlich auch mehr gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Ich danke Ihnen.

 

(Beifall bei den LINKEN und der Abg. Sabine Friedel, SPD}

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